Die documenta wird 70 – Im Gespräch mit ihren künstlerischen Leiter*innen

Happy Birthday, documenta! (English. below)

Heute, am 15. Juli, feiert die Weltkunstausstellung documenta ihren 70. Geburtstag. Herzlichen Glückwunsch!

Die offiziellen Feierlichkeiten fanden bereits am 7. Juni in der documenta-Halle in Kassel statt. Im Zentrum des rund dreistündigen Programms stand ein hochkarätig besetztes Gespräch: Saskia Trebing, Kulturjournalistin beim Monopol Kunstmagazin, sprach mit den ehemaligen Künstlerischen Leiter*innen Caroline Christov-Bakargiev, Roger M. Buergel, Adam Szymczyk sowie der designierten Künstlerischen Leiterin der documenta 16, Naomi Beckwith.

Zur Feier des Tages zeigen wir dieses besondere Gespräch in voller Länge – ein Rückblick und Ausblick zugleich, der zeigt, wie lebendig, umstritten und relevant die documenta auch nach sieben Jahrzehnten geblieben ist.

Jetzt anschauen und inspirieren lassen – wir wünschen spannende Erkenntnisse!

Happy Birthday, documenta!

Today, on July 15, we celebrate the 70th anniversary of the world-renowned art exhibition documenta. Congratulations! The official celebrations already took place on June 7 in the documenta Halle in Kassel. The highlight of the three-hour program was a conversation hosted by Saskia Trebing, cultural journalist at Monopol art magazine, with former artistic directors Caroline Christov-Bakargiev, Roger M. Buergel, Adam Szymczyk, and Naomi Beckwith, the newly appointed artistic director of documenta 16.

On this special day, we’re sharing a full recording of this inspiring conversation – a retrospective and a look ahead, showing how documenta continues to shape contemporary discourse, even 70 years after its founding.

Watch now and dive into seven decades of radical, global art history.

Rewriting the Obelisk – Königsplatz Kassel

Rewriting the Obelisk – eine Performance von Yi Dahn

Am vergangenen Sonntag verwandelte die in Seoul geborene Künstlerin Yi Dahn gemeinsam mit Freundinnen den Kasseler Königsplatz in einen offenen, partizipativen Begegnungsraum. Unter dem Titel „Rewriting the Obelisk“ lud sie Passantinnen dazu ein, den berühmten Satz vom ehemaligen documenta-Obelisken zu vervollständigen: „Ich war ein Fremdling und ihr habt mich beherbergt“.

Was folgte, war ein emotionaler und vielstimmiger Nachmittag voller Begegnungen, Sprachen und Geschichten. Menschen schrieben ihre eigenen Ergänzungen – auf Polnisch, Vietnamesisch, Arabisch, Englisch und Deutsch. Sie erzählten von Fremdheit und Zugehörigkeit, von Migration, Hoffnung und dem Wunsch, gehört zu werden.

Die Performance wurde zu einem kollektiven Akt der Erinnerung und des Widerspruchs – gegen das Verschwinden eines Symbols, das für viele mehr war als Kunst: ein Zeichen für Solidarität, Vielfalt und Menschenrechte. Die Worte der Teilnehmenden machten deutlich, wie sehr der Obelisk als Ort des Ausdrucks und des Miteinanders vermisst wird – und wie lebendig seine Bedeutung geblieben ist.

Wir waren vor Ort, haben mit Yi Dahn und zahlreichen Besucher*innen gesprochen. Entstanden ist ein eindrucksvolles Stimmungsbild – eindringlich, poetisch und politisch zugleich. Wir wünschen spannende Erkenntnisse!

Platz des Obelisken
Platz des Obelisken

Hier der Text von der Facebook Seite zur Performance:

***English version below***

Performance von Yi Dahn: Rewriting Obelisk (Neuschreiben des Obelisken)

Der plötzliche Abbau des Obelisken auf dem Kasseler Königsplatz bedeutet eine tiefe Narbe – nicht nur für die Freiheit der politischen Sicht auf Kunstwerke, sondern auch für jeden Kampf ums Überleben als „Fremdling“ in diesem Land. Obwohl nun beschlossen wurde, dass der Obelisk schließlich doch in Kassel bleiben kann, nicht an dem Ort seiner Bestimmung wohlbemerkt, gilt es weiterhin zu hinterfragen auf welche gewaltsame Art und Weise das ortsspezifische Kunstwerk aus dem Stadtzentrum entfernt wurde.

Um diese Kritik zu inszenieren und Mitgefühl zu kultivieren, plant Yi Dahn eine Performance, bei der sie mit Kreide den Satz „I was a stranger and …“ fortlaufend wiederholt. In jeder möglichen Sprache wird der Satz auf den Asphalt rund um die Stelle geschrieben, die bis vor kurzem noch von dem Obelisk besetzt war, bis der Kasseler Königsplatz vollständig mit den Worten bedeckt ist. Dieser Akt ist als Widmung gedacht, an den Einsatz all der Personen, die im Glauben an Mitmenschlichkeit mit diesem Thema zu kämpfen haben.

Um die Performance zu vervollständigen, begrüßt die Künstlerin die Teilnahme des Publikums unterschiedlichster kultureller Hintergründe – je mehr, desto besser – denn die wahre Bedeutung der Performance liegt im Prozess selbst, der zeigt: Solidarität ist niemals vergebens und wir können wiedereinmal bestätigen, dass Vielfalt uns alle verbindet und bereichert, und uns Kraft gibt, in eine bessere Zukunft zu gehen.

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Performance by Yi Dahn: Rewriting the obelisk

The sudden dismantling of the obelisk on the Kasseler Königsplatz has left a deep scar – not only for the freedom of a political view on works of art, but also on every struggle for survival as a “stranger” in this land. Although it was decided to keep the obelisk on another place in the city afterall, still there has been left the question whether this could justify the violent way that this site-specific work has been removed from the city center.

To contemplate this matter, Yi Dahn would like to make a performance by repeatedly writing sentences starting with “I was a stranger and …” in every language possible with chalk on the ground around the place which was recently occupied by the obelisk until the Kasseler Königsplatz is completely filled. It is meant as a dedication to the effort of all people who have struggled with this issue in the faith of humanity.

To complete this performance, the artist would like to welcome the participation of an audience with various cultural backgrounds – the more the better – since the true meaning of this performance lies in the process itself as solidarity is never in vain: again we can confirm that hope always remains as long as diversity embraces and enriches one another, giving strength to continue forward into a better future.

documenta 14 Hiwa K – View from Above

Am heutigen Tag – 22. Oktober 2018 – jährt sich die Zerstörung der documentastadt Kassel zum 75. Mal. Grund für uns eine Arbeit der documenta 14 in Erinnerung zu rufen, die eine Brücke zu den Ereignissen in der Geschichte zu schlagen versucht. Der aus dem Irak stammende Künstler und Arnold Bode Preisträger 2016 Hiwa K hat mit seiner Videoarbeit View from Above im Stadtmuseum Kassel die Geschichten in Verbindung gesetzt.

Hiwa K bedient sich in seiner Videoarbeit einem Modell des zerstörten Kassels
Hiwa K bedient sich in seiner Videoarbeit einem Modell des zerstörten Kassels

Wir waren vor Ort und wünschen spannende Erkenntnisse.

Der Obelisk und Die Freiheit der Kunst

In der documentastadt Kassel überschlagen sich die Ereignisse! Für uns das ermittelnde Team am Tatort der Kunst keine leichte Aufgabe. Heute versucht Stephan Haberzettl einen Überblick über den Stand der Dinge in Kassel zu geben. Das gerade die Kunstfreiheit in der Heimat der Weltkunstschau nun unter die Räder gekommen ist lässt uns bei artort.tv nicht kalt und wir klären auf.

Freiheit der Kunst bedeutet sie so zu akzeptieren, wie vom Künstler erschaffen. Änderungen wie Standort oder im Aussehen sind vom Grundgesetz geschützt
Freiheit der Kunst bedeutet sie so zu akzeptieren, wie vom Künstler erschaffen. Änderungen wie Standort oder im Aussehen sind vom Grundgesetz geschützt

Im Kanal findet Ihr auch weitere Filme zum Obelisken u.a. ein Interview mit dem Künstler Olu Oguibe. Wir wünschen interessante Erkenntnisse!